Ubuntu 26.10: Einstieg in Desktop-KI
Während Ubuntus letzter Entwicklungs-Zyklus, mündend in der im April 2026 erschienene LTS-Version 26.04, in erster Linie auf einer Renovierung des Fundamentes fußte, geht es in den kommenden zwei Jahren – Überraschung! – vor allem um Künstliche Intelligenz. Den Anfang macht Myna, ein von der Ubuntu-Firma Canonical selbst entwickeltes Spracherkennungs-Tool, das lokal läuft, also zum Schutz der Privatsphäre keine Cloud-Anbindung benötigt und somit auch offline Diktiertes in Text umwandelt. Myna ist in dem am 15. Oktober 2026 veröffentlichten Ubuntu 26.10, Kosename „Stonking Stingray“ (auf deutsche etwa: sensationeller Stachelrochen), aber nicht vorinstalliert, sondern muss manuell geladen werden und gilt noch als „Technologie-Vorschau“, um Sprache in Text umzuwandeln.
Wie Myna installiert und genutzt wird
Myna ist (noch) nicht in den offiziellen Paketquellen von Ubuntu enthalten, sondern muss über ein PPA (personal package archive) des Ubuntu-Desktop-Teams installiert werden:
sudo add-apt-repository ppa:canonical-desktop-team/myna
sudo apt install myna-config
Nach der Installation kann über die System-Einstellungen ein Hotkey festgelegt werden. Damit lässt sich die Spracherkennung in jedem Textfeld aktivieren.
Bedingung für die Nutzung von Mina ist ein Standard-Ubuntu-Desktop mit GNOME und Wayland. Eine Hardware-Beschleunigung ist bisher nur für Nvidia-Grafikkarten implementiert.
Das PPA enthält übrigens auch Backports von Myna für Ubuntu 24.04 LTS und Ubuntu 26.04 LTS.
Brandneuer Kernel, mehr Rust
Mehr als am Puls der Zeit ist die neue Ubuntu-Version, was den Kernel angeht. Ausgeliefert wird Linux 7.3, und zwar ein Release candidate, weil die endgültige Veröffentlichung des Kernels erst nach dem Ubuntu-Release geplant ist.
Die im vorigen Zyklus begonnene Umrüstung des Unterbaus von den traditionellen GNU-Code-Utilities zu modernen Rust-basierten Versionen ist mit Ubuntu 26.10 abgeschlossen. Auch die bislang mangels Kompatibilität noch ausgesparten Werkzeuge cp, mv und rm sind nun in Rust programmiert.
Der Gnome-Desktop ist in Ubuntu 26.10 auf Version 51 aktualisiert. Verbesserungen gibt es bei der Barrierefreiheit und bei Verbindungen auf die Benutzeroberflächen entfernter Rechner („Remote desktop“). Proprietäre Treiber und Medien-Codecs installiert man nun über Ubuntus App-Center. Weitere Neuerungen für Desktop- und Server-Versionen von Ubuntu stehen in den Veröffentlichungs-Hinweisen.
Für wen empfiehlt sich ein Upgrade?
Wer von Ubuntu 26.04 auf Ubuntu 26.10 upgradet, muss sich bewusst machen, dass die neue Version anders als die vorherige LTS-Version nur für neun Monate gepflegt wird. Das nächste Upgrade in einem halben Jahr – dann erscheint laut Fahrplan Ubuntu 27.04 – ist also Pflicht. Wer auf Stabilität setzt, wird also bei 26.04 bleiben (die Spracherkennung lässt sich trotzdem nachrüsten). Alle, die lieber näher dranbleiben am Puls der Zeit, sollten zum Update schreiten:
sudo do-release-upgradeCode-Sprache: JavaScript (javascript) 