Gimp

Icon für Gimp von Tuomas Kuosmanen, GPL

Nein, Gimp ist kein Photoshop, aber doch das amtliche Open-Source-Programm für Bild/Foto-Bearbeitung (Rastergrafik). Mit über 20 Jahren Geschichte ist das “GNU Image Manipulation Program” zudem ein Bannerträger der freien und quelloffenen Software. Das Gimp Toolkit, kurz Gtk, wurde zur Basis des Gnome-Desktops.

Was Gimp lange Zeit fehlte – und auch in der in der aktuellen langzeitstabilen (LTS) Ubuntu-Version 18.04 noch fehlt – ist die Unterstützung von mehr als 8 Bit Farbtiefe, was für die Bearbeitung von RAW-Fotos untauglich ist. Dies – und vieles mehr – hat sich in der Anfang Mai 2018 erschienenen Version 2.10 dank der weit fortgeschrittenen Implementierung der neuen Grafikbibiothek GEGL geändert. Damit rüstet Gimp auf 16-/32-Bit-Unterstützung pro Kanal (Ganzzahl und Gleitkomma) auf. Die auf GEGL portierten Filter bieten eine Anwendungs-Vorschau, die ohnehin schon üppige Werkzeug-Palette wurde erweitert, und Zeichner finden neue Pinsel vor.

Für den Raw-Import kann Gimp ein vorhandenes Darktable oder Raw Therapee einklinken. Dazu einfach über den Datei-öffnen-Dialog von Gimp ein RAW-Bild auswählen, es öffnet sich dann in Darktable or Raw Therapee. Das Bild dort falls gewünscht noch bearbeiten, dann den RAW-Entwickler schließen ohne zu speichern – und das Bild wird in Gimp importiert.

Es dürfte klar sein, dass man von einem Open-Source-Projekt nicht dieselbe Aktualisierungs-Geschwindigkeit wie von einem Konzern wie Adobe erwarten kann. Was Gimp jetzt noch fehlt, ist die nicht-destruktive Bearbeitung. Sie steht auf der Roadmap der Entwickler, ebenso wie der Umstieg auf GTK3.

Dennoch ist die Benutzer-Oberfläche seit Gimp 2.10 stark verbessert. Zur farblichen Gestaltung stehen drei neue Themes bereit. Ein alter Zopf wurde aber immer noch nicht abgeschnitten. Umsteiger von anderen Bildprogrammen, die Gimp das erste Mal starten, werden vermutlich davon überrascht sein, dass sich gleich drei disparate Programmfenster öffnen. Dem lässt sich unter Fenster > Einzelfenster-Modus abhelfen.

Gimp lässt sich über zahlreiche Plugins und Scripte erweitern. Diese kann man selbst programmieren oder man pickt sich diese aus einen großen Vorrat aus der Community heraus. Zwar gibt es dafür kein zentrales Repository, aber Ubuntu bündelt zahlreiche Ressourcen Paketen. Seit Version 2.10 funktionieren alerdings manche alte Plugins nicht mehr: Nicht dazu gehört glücklicherweise das empfehlenswerte Plugin für G’MIC, ein Framework für Filter und Effekte.

Stapelverarbeitung rüstet das Plugin BIMP nach, das man allerdings in Linux in wenigen Schritten selbst kompilieren muss. Nach erfolgreicher Installation findet sich im Datei-Menü ein neuer Eintrag “Batch image manipulation”.

Gimp ist auch für OS-X und Windows verfügbar.

Dokumentation

Gimp bringt eine mehrsprachige Hilfe mit, die sich auf Deutsch als separates deb-Paket installieren lässt.

Installation

Über die Ubuntu Paketquellen installiert ein simples

sudo apt install gimp

bis Ubuntu 18.04 das alte Gimp, ab Ubuntu 18.10 ein Gimp 2.10 oder neuer.

Die deutschsprachige Hilfe, zusätzliche Plugins (gimp-plugin-registry), weitere Pinsel, Paletten und Gradienten (gimp-data-extras), das G’MIC-Framework für weitere Filter und Effekte sowie UFRaw, das nur noch nötig ist, wenn Darktable oder Raw Therapee nicht installiert sind, lädt die folgende Zeile:

sudo apt install gimp-help-de gimp-plugin-registry gimp-gmic gimp-data-extras gimp-ufraw

Das Kesselgulasch-PPA von Otto Meier, seit Jahren bewährt in Sachen Gimp-Update, bringt Gimp 2.10 auch für Ubuntu 18.04 an Bord. Man fügt es wie folgt hinzu:

sudo add-apt-repository ppa:otto-kesselgulasch/gimp
sudo apt update
sudo apt install gimp

Plugins selbst kompilieren

In diesem Beispiel wird das BIMP-Plugin aus dem Quellcode installiert. Dazu das Linux-Archiv herunterladen und irgendwo extrahieren. Vor dem Kompilieren müssen noch ein paar Abhängigkeiten installiert werden:

sudo apt-get install libgimp2.0-dev libgegl-dev libpcre3-dev

Zum Kompilieren betritt man im Terminal den Ordner des enpackten Archivs und ruft die folgenden Kommandos auf:

make && make install

Damit wird das Plugin für den eigenen User in ~/.config/GIMP/2.10/plug-ins/bimp installiert.

Alternativen

Krita für KDE ist weniger Bildbearbeitung als vielmehr ausgefeiltes Malprogramm. Wer’s einfacher mag, greift zu Pinta.